Handicap beim Golf – So berechnet sich die Spielvorgabe (2023)

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Das Handicap beschreibt die Spielstärke eines Amateurgolfers und wird auch »Vorgabe« genannt. Profi-Golfer haben kein Handicap, da sie ohne Vorgabe spielen. Mit Hilfe des Handicaps können Ergebnisse verschieden starker Spieler verglichen werden.

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(Video) Golf erklärt: Stammvorgabe (Handicap), Wettspiele und wie Sie die Scorekarte ausfüllen

Was ist das Handicap beim Golf?

Nach bestandener Platzreife erhält man die Vorgabe »PR« (Platzreife). Dies entspricht einem Handicap von -54. Vereinfacht formuliert, drückt das Handicap die Anzahl der Schläge aus, die man auf eine 18-Loch-Runde »Vorsprung« bekommt. Dieser Vorsprung bezieht sich auf das durchschnittliche Ergebnis eines Spielers mit Handicap Null (»Scratch Golfer«).

Jede Bahn hat eine eigene Vorgabe, die PAR genannt wird. PAR ist die Abkürzung für »professionalaverageresult« und liegt in der Regel bei drei, vier oder fünf Schlägen. Das bedeutet, dass man beispielsweise ein PAR-4-Loch »PAR gespielt« hat, wenn man 4 Schläge benötigt hat.

Ein durchschnittlicher 18-Loch-Golfplatz hat vier PAR-3-, zehn PAR-4- und vier PAR-5-Bahnen und damit eine Vorgabe von 72 Schlägen (4 Mal 3 Schläge + 10 Mal 4 Schläge + 4 Mal 5 Schläge). Das bedeutet, dass ein sehr guter Golfer mit Handicap 0 im Durchschnitt 72 Schläge benötigt. Ein Anfänger mit Handicap -54 bekommt in dem Sinne 54 Schläge Vorsprung und würde »sein Handicap spielen«, wenn er 126 Schläge (72+54) für diese 18 Bahnen benötigen würde.

Wie kann ich mein Handicap verbessern?

Das Handicap kann in offiziell gezählten Golfrunden verbessert werden. Dies sind vorgabenwirksame Turnierrunden oder EDS-Runden. Eine EDS-Runde (Extra Day Score) ist eine im Golfclub vorher angemeldete Runde, in der das Ergebnis durch einen durch den Spieler bestimmten Zähler bestätigt wird. Der Zähler muss selbst über eine Vorgabe, also ein Handicap verfügen und Mitglied eines Golfclub sein. Zudem kann der Club eigene Anforderungen an den Zähler bei EDS-Runden haben (zum Beispiel mindestens Handicap -36).

Eine Verbesserung des Handicaps ist immer dann gegeben, wenn Du besser als Dein Handicap gespielt hast. Ob eine Verbesserung vorliegt, wird mit dem sogenannten »Stableford System« berechnet. Das Stableford System berücksichtigt Dein aktuelle Handicap und berechnet Deine persönliche Vorgabe pro Bahn.

Wenn Du ein Handicap von -54 hast, entspricht das einer »Vorgabe« von drei Schlägen pro Bahn (54 Schläge gesteilt durch 18 Bahnen). Das bedeutet, dass Du auf einem PAR-3-Loch Dein »Handicap gespielt« hast, wenn Du den Ball nach sechs Schlägen eingelocht hast (3 Schläge beim PAR-3 + 3 Schläge Vorgabe), bei einem PAR-4 sind es sieben Schläge und bei einem PAR-5 acht Schläge.

Schaffst Du exakt Deine persönliche Vorgabe laut Stableford Systems zu spielen, bekommst Du für die Bahn zwei Punkte. Benötigst Du einen Schlag mehr als Deine Vorgabe, bekommst Du einen Punkt. Schaffst Du es mit weniger Schlägen einzulochen als Deine Vorgabe vorgibt, bekommst Du entsprechend mehr Punkte.

(Video) Erklärung der Stableford Spielvorgabe

Der Vorteil des Stableford Systems im Vergleich zum Zählspiels ist, dass eine »missgeglückte« Bahn weniger stark ins Gewicht fällt, da es immer dann Null Punkte für eine Bahn gibt, wenn das Ergebnis zwei Schläge oder mehr über der Vorgabe liegt: Ob Du 15 oder 8 Schläge auf einem PAR-3-Loch benötigst, führt zur gleichen Anzahl an Stableford-Punkten, nämlich Null.

Da Profi-Golfer kein Handicap haben, spielen diese Zählspiel (oder Lochspiel), so dass jede Bahn in das Endergebnis einfließt.

Am Ende einer Runde werden alle Stableford-Punkte zusammengerechnet. Hast Du im Durchschnitt mehr als zwei Punkte pro Bahn erspielt, hast Du Dein Handicap verbessert. Stableford-Punkte werden auch als Netto-Punkte bezeichnet.

Was ist der Unterschied zwischen Netto- und Brutto-Punkten?

Die Netto-Punkte sind die erreichte Punktzahl pro Bahn unter Berücksichtigung des Handicaps.

PunkteErgebnis
0 Netto-Punkte2 oder mehr Schläge als vorgegeben
1 Netto-Punkt1 Schlage mehr als vorgegeben
2 Netto-PunkteVorgabe gespielt
3 Netto-Punkte1 Schlag weniger als vorgegeben
4 Netto-Punkte2 Schläge weniger als vorgegeben
n Netto-Punkten+2 Schläge weniger als vorgegeben

Erzielst Du auf einer 18-Loch-Runde 36 Netto-Punkte, hast Du exakt Dein Handicap gespielt.

Bei einer 9-Loch-Runde werden zu den Netto-Punkten der 9 Bahnen 18 Punkte hinzugerechnet, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Brutto-Punkte ignorieren die Spielvorgabe. Das heißt, dass das Handicap nicht berücksichtig wird. Dementsprechend gibt es zwei Brutto-Punkte, wenn eine Bahn »PAR gespielt« wird. Einen Brutto-Punkt gibt es bei Bogey (1 Schlag über PAR). Bei allen Ergebnissen, die zwei Schläge oder mehr über PAR liegen, gibt es null Brutto-Punkte.

(Video) [Das Golf 1x1]: Handicap, Vorgabe, Course Rating: Was meinen Golfer damit?

PunkteErgebnisBezeichnung
6 Bruttopunkte4 Schläge besser als PARTriple-Eagle, Double-Albatross, Condor, Hole-in-One auf einem Par-5-Loch
5 Bruttopunkte3 Schläge besser als PARDouble-Eagle, Albatross, Hole-in-One auf einem Par-4-Loch
4 Bruttopunkte2 Schläge besser als PAREagle, Hole-in-One auf einem Par-3-Loch
3 Bruttopunkte1 Schlag besser als PARBirdie
2 BruttopunktePAR gespielt(even) PAR
1 Bruttopunkt1 Schlag schlechter als PARBogey
0 Bruttopunkte2 Schläge schlechter als PARDouble-Bogey

Ebenfalls 0 Bruttopunkte: Triple Bogey, Quadruple Bogeyoder schlechter.

Wie berechnet sich das Handicap?

Die Berechnung des Handicaps übernimmt der jeweilige Golfverband, in dem Du Mitglied bist. In Deutschland ist dies der »Deutsche Golf Verband« (DGV). Das bedeutet, das Du nach Deiner Turnier- oder EDS-Runde Deine Scorekarte im Sekretariat des Golfclubs abgibst, damit Deine Ergebnisse dem Verband übermittelt werden. Dieser berechnet dann Deine neue Spielvorgabe, also Dein neues Handicap.

Die Berechnung des Handicaps ist recht kompliziert und hängt von verschiedenen Faktoren ab. So hat der Schwierigkeitsgrad des Golfplatzes einen Einfluss (»Platzvorgabe«). Wie schwierig oder einfach ein Golfplatz ist, wird durch den sogenannten »Slope«-Wert ausgedrückt. Zudem hat die Höhe des aktuellen Handicaps einen Einfluss darauf, wie stark sich die Vorgabe verändert.

Was ist das World Handicap System?

Das World Handicap System sorgt für eine weltweite Vereinheitlichung der Handicap-Berechnung und wird 2021 in Deutschland eingeführt. Anstatt nach jeder Runde das Handicap neu zu berechnen, wird in diesem System das Handicap auf Basis der besten acht Runden der zuletzt gespielten 20 Runden berechnet.

Was ist ein gutes Handicap?

Nach der Platzreife startest Du mit einem Handicap von -54. Das ist das höchstmögliche Handicap. Je niedriger ein Handicap, desto besser. Ein Handicap von 0 bedeutet, dass man im Durchschnitt eine Golfrunde »even PAR« spielt. Ein Handicap kann auch im positiven Bereich liegen (»Plus-Handicapper«). So benötigt beispielsweise ein Golfer mit einem Handicap von +1 im Durchschnitt einen Schlag weniger als die Platzvorgabe.

Auf 18 Löcher bezogen lassen sich folgende Handicaps wie folgt übersetzen:

  • Handicap -54 = Pro Bahn 3 Schläge über PAR
  • Handicap -36 = Pro Bahn 2 Schläge über PAR
  • Handicap -18 = Pro Bahn 1 Schlag über PAR
  • Handicap 0 = Jede Bahn PAR

Der Deutsche Golf Verband hat insgesamt sechs verschiedene Golfvorgabenklassen definiert, nach denen sich Spieler gemäß ihrer Spielstärke einteilen lassen:Die besten Spieler befinden sich also in der Klasse I, die schwächsten Spieler in der Klasse VI, in welche sie direkt nach der Platzreife eingeteilt werden können.

KlasseSpielstärke
Klasse Ibis 4,4 Schläge über Par
Klasse IIvon 4,5 bis 11,4 Schläge über Par
Klasse IIIvon 11,5 bis 18,4 Schläge über Par
Klasse IVvon 18,5 bis 26,4 Schläge über Par
Klasse Vvon 26,5 bis 36,0 Schläge über Par
Klasse VIvon 37 bis 54 Schläge über Par

Was passiert mit dem Handicap nach einer längeren Golf-Pause?

Sehr häufig wird die Frage nach der Gültigkeit des Handicap aber von Golfern gestellt, die sich bereits einmal ein Handicap erspielt haben und bereits schon mal Mitglied in einem Golfclub waren und dann eine längere Pause eingelegt haben. Innerhalb von 4 Jahren kann das Handicap einfach mit Hilfe des letzten DGV-Ausweises des Spielers übernommmen werden.

(Video) WHS World Handicap System - Erklärt von Stefan Quirmbach

Sollte es länger als vier Jahre her sein, benötigt der Spieler für seinen sogenannten Wiedereintritt in das Handicapsystem eine Ermittlung der aktuellen Spielstärke. Dies wird durch die Teilnahme an einem vorgabenwirksamen Turnier oder eine RPR-Runde festgestellt. Der dazu passende Handicap-index wird dananch automatisch ermittelt. Danach kann das Handicap wieder von dem Club weitergeführt werden. Eine erneute Platzreife ist in diesem Fall also nicht notwendig. Für dieses Verfahren ist es unerheblich, wie lange der Spieler keine Mitglied in einem Golfclub war und somit auch keine Handicap-Führung gehabt hat. Diese Regelungen gelten auch für Golfer aus Österreich oder der Schweiz.

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(Video) World Handicap System (WHS) So funktioniert es. Markus Salzger / European Golf School

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Author: Tish Haag

Last Updated: 02/18/2023

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